23 August, 2008

06 August, 2008

the loss of content

»Rezeption schiebt sich vor Identität, das ist die Formel. Personen
richten ihre Produkte, ihr Denken und Fühlen schon nach dem möglichen
PR-Effekt aus. Der PR-Berater ist aus der Position des Mittlers in
eine Position gerückt, in der er sowohl die Produkte als auch die
Multiplikatoren, also die Medien, in seine Logik zwingt.«

»Es ist nicht mehr von künstlerischer Arbeit die Rede und nicht von
Zuschauern, sondern von Produkten und von Kunden. Und die Bühne, das
Theater ist der Point of Sale.«

Public Viewing sei eine Verzweiflungstat unter dem Druck des Marktes:
»So etwas tue ich, wenn ich glaube, mein Handeln ist gesellschaftlich
obsolet und findet nur in der Publikation ihre Erfüllung. Es geschieht
in dem Bewusstsein, die Quote reiche schon aus, dem, was ich höre und
sehe, einen Sinn zu geben. Der eventisierte Kulturbetrieb ist der
Kampf der permanenten Aktualitäten. Wir rasen von einer Aktualität zur
anderen, und eine löscht die andere aus.«

Und wenn nun eines der Wesen, die wir aus den Massenmedien kennen, zu
mir herabsteigt in meinen Lebensraum, »schließt es mich an« an die
höhere Medienwelt. Es ist nicht mehr so, dass der reale Prominente in
mir den Gedanken auslöst: Ach, den gibt es also wirklich. Vielmehr
denke ich in Anwesenheit der berühmten Gestalt: O Herr, mich gibt es
ja wirklich!

Auszüge aus

- "Siehe, ich bin dein Star" Thomas Assheuer ZEIT 24.7.08
- "Im Bett mit der Kunst" Peter Kümmel ZEIT 24.7.08
.

04 August, 2008

de la guerre

Krieg hat ein sehr hohes Legitimationsbedürfnis. Darum wird Krieg auch immer im Namen hehrer Werte geführt, meist geschieht es im Namen der Freiheit. Kein Politiker könnte sagen: »Wir überfallen dieses Land, rauben seine Bodenschätze und bereichern uns!«, oder: »Wir werfen Bomben über diesem Land ab, damit die Leute zu Hause wissen, dass wir keine Weicheier sind!« Nein, das ginge nicht. Krieg wird immer verbrämt, und seine wirklichen Ursachen müssen meist im Verborgenen bleiben. Es geht dabei um den Zugang zu Ressourcen, um Hegemoniestreben, um die Durchsetzung religiöser Vorstellungen, um die Öffnung von Märkten, um die Eliminierung eines Konkurrenten – um all diese Trivialitäten geht es bei Kriegen, doch darf es nicht ausgesprochen werden, weil der Mythos des Krieges zerbrechen, weil sonst der Blick frei werden könnte auf das, was er ist: organisiertes, massenhaftes Töten.


Gleichzeitig ist er ein Sinnstifter und damit ein großer Verführer der Menschen. Darauf hat der langjährige Kriegskorrespondent Chris Hedges hingewiesen: »Trotz der Vernichtung und des Schlachtens gibt der Krieg uns, wonach wir uns am meisten in unserem Leben sehnen. Er kann uns eine Aufgabe geben, einen Sinn, einen Grund zum Leben. Nur inmitten des Kampfes werden wir uns der Oberflächlichkeit und Fadheit unseres Lebens bewusst. (…) Krieg ist ein verlockendes Elixier. Er gibt uns Entschlossenheit, eine Mission. Er erlaubt uns, edel zu sein. Das erklärt die andauernde Attraktivität des Krieges.«


Jeder ist in Gefahr, verführt zu werden, hingerissen von dem vermeintlich reinigenden Gewitter des Krieges. Dahinter steckt auch die Sehnsucht nach einer höheren Gewalt, die Ordnung schafft in dieser Welt und uns einen Platz zuweist. Krieg ist die selbst gewollte Entmündigung des Menschen. Er erfüllt seinen brennenden Wunsch, in etwas aufzugehen, was größer ist als er selbst, in der Nation, der Religion, dem Volk. Krieg, das ist die Kapitulation des Menschen als Individuum.


("Das schmutzige Geschäft" Ulrich Ladurner in der ZEIT - Artikel)
.

02 August, 2008

Flucht

Sauver son identité par la fuite est devenu un des thèmes majeurs de la culture du XXe siècle, et certains des aspects négatifs de cette fuite, qu' on pourrait qualifier de trahison, peuvent en réalité se justifier. Parce que la fuite-évasion représente, une victoire de l'indivdu, victoire ultime peut-être, mais victoire quand même! C' est un symptôme, le pressentiment d' un non-liberté absolue, d' un ordre du monde qui avance, avec sa maschinerie inexorable et ses statistiques. La fuite, elle, suppose une rupture, un changement d' espace, une possibilité de se cacher quelque part, "par-delà les montagnes, par-del les forêts, par-delà les vastes océans ..." Les éternels fugitifs du XXe siècle paraîtront peut-être étrange aux hommes du XXIe siècle, tout simplement parce qu'il n'y aura plus aucun lieu où fuir.

Vassili Golovanov 'Eloge des voyages insensés'
.
Photo d´Eric le Bourhis
.