Obwohl er schliesslich um Anerkennung gebettelt habe, sei sie ihm von den Stellen und von den Leuten verweigert worden, die dafür zuständig gewesen wären. Es habe nichts genützt, dass er die Ungeheuerlichkeit seines Werkes unter Beweis gestellt habe. Nicht nur Kollegenneid, die ganze geistesfeindliche Atmosphäre dieser Stadt habe ihn in den Tod getrieben, ihre kopflose Unmenschlichkeit. Er habe aber, weil er seinen Charakter nicht desavouieren wolle, sein Werk noch vor seinem Selbstmord verbrannt, sein Lebenswerk verbrannt und tatsächlich in wenigen Augenblicken wieder zu nichts gemacht, nachdem es Jahrzehnte zu seiner Entstehung gebraucht hatte und es nicht einer Nachwelt hinterlassen wollen, die es in keinem Falle verdiente. Die entsetzliche Vorstellung, dass er wie wie soviele seinesgleichen, erst nach seinem Tode anerkannt und also ausgenützt und berühmt werde, habe ihn seine Errungenschaft, die tatsächlich viel höher einzuschätzen sei, als alles bisher auf seinem Gebiete Gedachte und Geschriebene, vernichten lassen. Die Stadt Wien, so hat er abschliessend auf seinen Zettel geschrieben, lebt seit sie besteht, von den Werken ihrer genialen Selbstmörder, er sei nicht gewillt, Glied zu sein in dieser Genienkette."
Thomas Bernhard, Der Stimmenimitator, 1978
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