VERRÜCKT: Das liebende Subjekt wird von der Vorstellung heimgesucht, verrückt zu werden oder zu sein.
1. Ich bin verrückt, weil ich verliebt bin, ich bin es nicht weil ich es aussprechen kann, mein Bild verdoppelt sich: in meinen eigenen Augen wahnwitzig (ich kenne meinen Wahn), lediglich unvernünftig in denen des Anderen, dem ich meine Verrücktheit sehr einsichtig gestehe: mir dieser Verrücktheit bewusst, sie in Sprache bannend.
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3. Seit hundert Jahren glaubt man der (literarische) Wahn bestünde in der Formel: „Ich ist ein anderer“, der Wahn sei eine Depersonalisierungserfahrung. Für mich als liebendes Subjekt ist er das genaue Gegenteil: es ist das Subjektwerden, das Sich-nicht-enthalten-Können, Subjekt zu sein, was mich verrückt macht. Ich bin kein anderer: Eben das nehme ich mit Entsetzen wahr.
(Eine Zen-Geschichte: ein alter Mönch ist in brütender Hitze damit beschäftigt, Pilze zum Trocknen auszubreiten. „Warum lasst ihr das nicht von anderen besorgen?“ – „Ein anderer ist nicht ich, und ich bin kein anderer. Ein anderer kann nicht die Erfahrung meines Tuns machen. Ich muss die Erfahrung machen, Pilze zum Trocknen auszubreiten.“)
1. Ich bin verrückt, weil ich verliebt bin, ich bin es nicht weil ich es aussprechen kann, mein Bild verdoppelt sich: in meinen eigenen Augen wahnwitzig (ich kenne meinen Wahn), lediglich unvernünftig in denen des Anderen, dem ich meine Verrücktheit sehr einsichtig gestehe: mir dieser Verrücktheit bewusst, sie in Sprache bannend.
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3. Seit hundert Jahren glaubt man der (literarische) Wahn bestünde in der Formel: „Ich ist ein anderer“, der Wahn sei eine Depersonalisierungserfahrung. Für mich als liebendes Subjekt ist er das genaue Gegenteil: es ist das Subjektwerden, das Sich-nicht-enthalten-Können, Subjekt zu sein, was mich verrückt macht. Ich bin kein anderer: Eben das nehme ich mit Entsetzen wahr.
(Eine Zen-Geschichte: ein alter Mönch ist in brütender Hitze damit beschäftigt, Pilze zum Trocknen auszubreiten. „Warum lasst ihr das nicht von anderen besorgen?“ – „Ein anderer ist nicht ich, und ich bin kein anderer. Ein anderer kann nicht die Erfahrung meines Tuns machen. Ich muss die Erfahrung machen, Pilze zum Trocknen auszubreiten.“)
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aus Roland Barthes: "Fragments d´un discours amoureux"
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