25 November, 2006

ZEIT mit .....

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ZEIT: Was ist das Tabu beim Fernsehen?
Kroetz: Dass man sich überhaupt informiert, was da abläuft. Das ist Unterschichtenfernsehen. Gebildete Menschen haben keine Zeit zum Fernsehen. In unseren Kreisen gibt doch keiner zu, dass er Zeit zum Fernsehen hat. Aber ich habe es gemacht, bis zum nächsten Morgen, monatelang. Ich habe dieses Arbeitslosen-Hartz-IV-Programm durchgezogen. Und wenn du mal so zehn Stunden fernsiehst und weißt, dass du in der Früh nicht aufstehen musst, du bist so was von zugemüllt. Was da zu sehen ist: die geile Oma, die sich auf dem Schreibtisch wälzt, Menschen, die für 20Euro Hundefutter fressen. Die niedersten Instinkte werden bedient. Aber das bestraft niemand. Es regt sich keiner auf, dass unsere Kinder mehr Zeit vorm Fernsehen verbringen als in der Schule. Dass diese Form der Volksverblödung nicht strafbar ist, ist ein Skandal. Marx hat gesagt: Religion ist Opium fürs Volk. Heute ist Fernsehen das Opium. Das Fernsehen hält die Millionen Arbeitslosen ruhig – und zwar auf grausame Art.

ZEIT: Es gibt auch gute Sendungen im Fernsehen.
Kroetz: Ja, ganz hervorragende. Aber man muss gebildet sein, um Fernsehen richtig zu nutzen. Es heißt immer, die Medienindustrie ist eine ganz normale Industrie. Aber das ist sie nicht, weil es hier um die Herzen und Seelen geht. Was diese 24-Stunden-Berieselung anrichtet – wir werden uns noch wundern. Als das Privatfernsehen eingeführt wurde, haben wir vom Schriftstellerverband dagegen wie die Löwen gekämpft. Keine Sau hat das interessiert: Was wollen diese Mäuse? Wir Mäuse haben damals schon gesagt, das ist die größte geistige Katastrophe, die auf uns zukommt.

ZEIT: Was ist zu tun?
Kroetz: Ich bin dafür, die Werbung im Fernsehen zu verbieten. Dann würde sich das meiste Privatfernsehen von selbst erledigen.

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